EMIR - MiFID II

Eine Erkenntnis der Finanzkrise 2007/08 war die mangelnde Transparenz an den Kapitalmärkten, die hohen und nicht nachvollziehbaren Verflechtungen der Finanzinstitute untereinander, sowie die komplexen Rückkoppelungen zwischen den Kapitalmärkten/Finanzinstituten und der Realwirtschaft.

Dies gilt insbesondere für den Derivate Markt, dessen geschätztes globales Nominalvolumen weiterhin in der Größenordnung 700 Billionen USD liegt, und zum großen Teil von sog. OTC "over-the-counter" Transaktionen dominiert wird.

Als Schlussfolgerung haben die Aufsichtsbehörden weltweit entschieden, dass zukünftig möglichst viele Derivate Transaktionen via zentrale Gegenparteien (CCP - central counter parties) abgewickelt werden sollen, und wenn möglich standardisiert ausgestattet auf transparenten Handelsplattformen abgeschlossen.

Die Details bzgl. Gesetzesvorgaben, Umsetzung und Aufsicht erfolgt in Europa durch die European Securities and Markets Authority (ESMA), im Aufrag der Europäischen Kommission.

Die European Market Infrastructure Regulation (EMIR) ist bereits in Kraft und wird aktuell sukzessive implementiert.

Das Gesetzgebungsverfahren für Markets in Financial Instruments Directive (MiFID II) wurde vom Europäische Parlament am 16. April 2014 auf den Weg gebracht, wodurch Europa mit anderen internationalen Ausfsichtsbehören gleichzieht.

Da viele Unternehmen Derivate zur Absicherung von Preisschwankungen in den Bereichen Zinsen, Währungen, Rohstoffe, etc. benutzen, hat die Einführung von EMIR und die daraus resultierende Zwischenschaltung von zentralen Gegenparteien, erhebliche Auswirkungen:

Wichtig dabei, die Höhe der zu hinterlegenden Sicherheiten richtet sich bei CCPs praktisch ausschließlich nach der Entwicklung des Referenzwerts des Derivats, und nicht nach Bonität etc. der Transaktionsparteien; Staaten, Unternehmen und Privatpersonen werden dies bzgl. weitestgehend gleich behandelt!

Selbst die Schuldenagentur des Bundes hat bereits demit begonnen Zins-Swaps mit Sicherheiten zu untermauern.

Die Richtlinien bzgl. der zu hinterlegenden Sicherheiten wird von den Aufsichtsbehörden der zentralen Abwicklungsparteien einheitlich festgelegt:

Insgesamt hat dies erhebliche Kosten für alle Finanz- und Nicht-Finanz-Unternehmen zur Folge, da ständig ein größeres Portfolio an HQLA als Reserve vorgehalten werden muss, um eventuelle Zwangsverkäufe in Zeiten stark ansteigender Volatilität auszuschließen.

Zudem erwirtschaften HQLA die niedrigsten laufenden Renditen, und verursachen somit die höchsten Opportunitätskosten.

Ähnlich wie bei hohen Liquiditätsreserven ist zu erwarten, dass zukünftig die laufenden Kosten von Absicherungsgeschäften via Derivate zu hoch sind, um sie über Konjunkturzyklen hinweg durchhalten zu können, sprich es sich um eine "Schön-Wetter-Strategie" handelt.

Der die Liquiditätszusagen zugrundeliegende Kapitalpool des KLF investiert ausschließlich in die benötigten HQLA.

Da die periodischen Versicherungsprämien unter dem KLF lediglich max. 1/3 der Liquiditätskosten der sich individuell versichernden Unternehmen betragen, ist es ökonomisch vorteilhaft die strategische Reserve an Sicherheiten für Derivat-Transaktionen durch eine Versicherung zu ersetzen!

Es gilt das gleiche Prinzip beim Sicherheiten-Management wie beim Liquiditäts-Management, incl. der Einschränkung, dass der KLF nicht für das Tagesgeschäft konzipiert wurde, sondern ausschließlich strategischer Natur ist, für Marktphasen unvorhersehbar hoher oder ansteigender Volatilität/Marktstress.

Sprache

Anmelden